gezeiten - poesie und mehr

anthologie

...

o grille sing,
die nacht ist lang.
ich weiß nicht, ob ich leben darf
bis an das end von deinem sang.


die fenster stehen aufgemacht.
ich weiß nicht, ob ich schauen darf
bis an das end von dieser nacht.


o grille sing, sing unbedacht,
die lust geht hin,
und leid erwacht.
und lust im leid, -
mehr bringt sie nicht, die lange nacht.




max dauthendey

1 Kommentar 4.10.07 00:00, kommentieren

Werbung


...

what’s memory but the ash
that chokes our fires that have begun to sink




william butler yeats

4 Kommentare 3.10.07 00:00, kommentieren

...

einmal in meinem leben war ich mir bewußt, etwas hohes zu fühlen, etwas liebliches und inniges sagen zu können, aber die zeit hat hat alles nicht sowohl zerstört als verwischt.




marianne willemer

2 Kommentare 1.10.07 00:00, kommentieren

mondlicht

...


wie liegt im mondenlichte
begraben nun die welt;
wie selig ist der friede,
der sie umfangen hält!


die winde müssen schweigen,
so sanft ist dieser schein;
sie säuseln nur und weben
und schlafen endlich ein.


und was in tagesgluten
zur blüte nicht erwacht,
es öffnet seine kelche
und duftet in die nacht.


wie bin ich solchen friedens
seit lange nicht gewohnt!
sei du in meinem leben
der liebevolle mond!




theodor storm

3 Kommentare 30.9.07 00:00, kommentieren

...

weißt du, o freund, warum wir die zypresse
den baum der freiheit nennen und die lilie
der freiheit blume heißt? wohl hundert arme
von stolzem wuchs hat die zypresse, dennoch
greift sie nicht zu. zehn blütenblätter hat
die lilie, das sind zungen, dennoch redet
sie nicht ein wort. ahnst du, was freiheit ist?




omar khayyam

29.9.07 00:00, kommentieren

...

o gäbs doch sterne, die nicht bleichen,
wenn schon der tag den ost besäumt;
von solchen sternen ohnegleichen
hat meine seele oft geträumt.


von sternen, die so milde blinken,
daß dort das auge landen mag,
das müde ward vom sonnetrinken
an einem goldnen sommertag.


und schlichen hoch ins weltgetriebe
sich wirklich solche sterne ein, -
sie müßten der verborgnen liebe
und allen dichtern heilig sein.




rainer maria rilke

27.9.07 00:00, kommentieren

...

 

woher sind wir geboren?
   aus lieb.
wie wären wir verloren?
   ohn lieb.
was hilft uns überwinden?
   die lieb.
kann man auch liebe finden?
   durch lieb.
was läßt uns lange weinen?
   die lieb.
was soll uns stets vereinen?
   die lieb.
 
 
goethe

3 Kommentare 26.9.07 00:00, kommentieren