gezeiten - poesie und mehr

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einmal in meinem leben war ich mir bewußt, etwas hohes zu fühlen, etwas liebliches und inniges sagen zu können, aber die zeit hat hat alles nicht sowohl zerstört als verwischt.




marianne willemer

2 Kommentare 1.10.07 00:00, kommentieren



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jeder tag
gibt fort
von seinen gaben, wieder
fingst du lose
fäden aus der luft


nun mußt du warten
auf den anbruch
der nacht


und bevor du schläfst
wirst du fortgegeben haben
was nie dein gewesen




© ecb

6 Kommentare 2.10.07 00:00, kommentieren

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what’s memory but the ash
that chokes our fires that have begun to sink




william butler yeats

4 Kommentare 3.10.07 00:00, kommentieren

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o grille sing,
die nacht ist lang.
ich weiß nicht, ob ich leben darf
bis an das end von deinem sang.


die fenster stehen aufgemacht.
ich weiß nicht, ob ich schauen darf
bis an das end von dieser nacht.


o grille sing, sing unbedacht,
die lust geht hin,
und leid erwacht.
und lust im leid, -
mehr bringt sie nicht, die lange nacht.




max dauthendey

1 Kommentar 4.10.07 00:00, kommentieren

anläßlich der pfirsichblüte in einem dorf schensis

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im süddorf brach heut grenzenlos
die pfirsichblüte auf:
ich war davon so sehr gerührt,
weil sie von selber kam.

die sonne sinkt, der nachtwind bläst
und röte füllt den grund:
doch niemand löst das rätsel mir,
für wen sie so geblüht.




bo djü-i

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wirklichkeit IIX.

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spiegel sind dazu da, um zu brechen. 
                                  peter rudl




stimmen immer und überall
wie abgestandene luft
in unbewohnten zimmern

wenn ihre füsse scharren
reden sie von dir

warum nur, kind,
hast du den ring verloren damals
schriebst du noch keine gedichte 
 
 
© marianne rieter

1 Kommentar 6.10.07 00:00, kommentieren

der geliebten

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der blas- und eu-phemieen reiche kette
hab ich geschlungen dir, geliebte, um das bein.
und wenn ich sonst nichts von belang mehr täte,
so könntest du mir kakadu und sperber sein.
erinnre dich der nacht in jenem bette,
als eine spinne alle weißen perlen fraß,
als über dich gebeugt die freundin juliette
zu häupten dir und mir zu füßen saß.
empörte fistelstimmen stelzten aus der mette.
tuberkulinsaft blumte groß auf tisch und wänden.
der mond hing sich ans morgenrot in glatzenglätte
und malte grüne ringel deinen händen.
dann kam der sommer und ein groß gefrette.
auch kranische geruhn, sich hoch zu schneuzen.
und wenn ich dies nicht zu bemerken hätte,
so hätte jenes nichts zu benedeuzen.
nur sollt ich nicht gehabt die telegraphendrätte
zu sehr bewegt nach dir, als schließlich du entschwandest.
denn dieses tatst du in der magensätte
des ersten tags mit dem, den du nicht kanntest.





hugo ball

3 Kommentare 7.10.07 00:00, kommentieren