gezeiten - poesie und mehr

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gott hat uns leicht und schwer gemacht.
du hast geweint. ich hab gelacht.
du hast gelacht. ich hab geweint.
so sonn und mond am himmel scheint.




klabund

1.7.07 00:00, kommentieren



szene

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ich bin das salz
in deiner suppe
erinnert mich an was
komm grad nicht drauf
reich es doch mal rüber
danke
hast das du gekocht
oder war ich heute dran
wohl nicht ganz und gar
bei der sache gewesen
aber der erste satz stimmt
nun guck doch nicht gleich so




© ecb

1.7.07 00:00, kommentieren

zur erklärung

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du schiltst, daß ich mein leben verträumt,
statt froh es zu genießen?
daß ich die blumen zu pflücken versäumt,
die rings am wege sprießen?
so sprechend dünkst du dich klug, wie klug!
daß bessres du erkoren,
indeß an wahn und täuschung und trug
ich jahr um jahr verloren.



glaub mir! es hielt mich des traumes macht
so ehern nicht umschlungen,
daß ich nicht manchmal plötzlich erwacht
aus seinen dämmerungen.
doch sieh! da schien mir all euer glück
nur glitzern flücht'gen schaumes,
und, schön'res suchend, floh ich zurück
ins gold'ne reich des traumes!




betty paoli

3 Kommentare 2.7.07 00:00, kommentieren

wirklichkeit I.

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die wirklichkeit, die wirklichkeit trägt wirklich
ein forellenkleid und dreht sich stumm, und dreht
sich stumm nach anderen wirklichkeiten um.

                                                  andre heller



 

der see war ein spiegel und wir
viel schweigsamer als die vögel
bei tagesanbruch bissen
die fische am besten wieder

zu hause schnitt der vater
die bäuche auf schuppen
und flossen bisweilen
breiiger laich

im ausguss die augen
in den köpfen blickten
mich an manchmal
waren sie tot



 

©  marianne rieter

3 Kommentare 3.7.07 00:00, kommentieren

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das gegensätzliche einträchtig und aus dem zwieträchtigen der schönste einklang und alles werde im streit




heraklit

4.7.07 00:00, kommentieren

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was ist das für ein leben, das ich führe?
umherstreifend vertraue ich mich dem schicksal an.
manchmal lachen, manchmal tränen.
weder laie noch mönch.
ein früher frühlingsregen nieselt vor sich hin.
noch hellen nicht alles die pflaumenblüten auf.
den ganzen morgen sitze ich bei der feuerstelle.
niemand zum reden.
ich suche meinen schreibblock hervor
und dann pinsele ich ein paar gedichte.




ryokan

2 Kommentare 5.7.07 00:00, kommentieren

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es sitzt ein vogel auf dem leim,
er flattert sehr und kann nicht heim.
ein schwarzer kater schleicht herzu,
die krallen scharf, die augen gluh.
am baum hinauf und immer höher
kommt er dem armen vogel näher.


der vogel denkt: weil das so ist
und weil mich doch der kater frißt,
so will ich keine zeit verlieren,
will noch ein wenig quinquilieren
und lustig pfeifen wie zuvor.
der vogel, scheint mir, hat humor.




wilhelm busch

6.7.07 00:00, kommentieren