gezeiten - poesie und mehr

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nach und nach hab ich gelernt, daß das äußerste, was ich mit menschen gemein haben darf, augenblicke sind, begegnungen – aber wer, der solcher begegnungen gewürdigt wird, dürfte sich am ende beklagen, daß ihm ein ständiger anschluß und ein eigentliches heimisch-sein unter den menschen versagt ist.


r.m. rilke

2.2.07 06:04, kommentieren



schlaflos

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letzte nacht
flogen gedanken
durch die dunkelheit



ich sah sie
schlaflos
hinterm fenster



hauchte papier
aufs glas
und schrieb:



hinter den letzten sternen
wartet der anfang
auf die ewigkeit



auf der gegenüberliegenden seite der welt saß eine spinne in der mitte ihres geflechts und spann sich mit dem faden ihres netzes ein. kreis für kreis wurde das rund kleiner. nur noch zwei ihrer beine lugten aus dem gespinst. zäh spann sie an ihrem grab, bis nichts mehr von ihr und dem netz zu sehen war. was blieb, waren ein faden und ein unbestimmtes knäuel.



ich sah sie.
schlaflos.
hinterm fenster kauernd.


 
 
© otto lenk
 



1 Kommentar 4.2.07 06:01, kommentieren

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impetuous heart be still, be still,
your sorrowful love can never be told,
cover it up with a lonely tune.
 
he who could bend all things to his will
has covered the door of the infinite fold

with the pale stars and the wandering moon.

 
 
w.b. yeats  

 

1 Kommentar 5.2.07 06:18, kommentieren

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die hauptsache war, daß man lebte. das war die hauptsache.


r.m. rilke: malte laurids brigge

1 Kommentar 6.2.07 15:40, kommentieren

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einmal fand ich
eine einzige rose
es gibt sie nicht wirklich
oder nur so
gerade eben


(c) ecb

1 Kommentar 6.2.07 18:53, kommentieren

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meine lieder werden leben,
wenn ich längst entschwand:
mancher wird vor ihnen beben,
der gleich mir empfand.
ob ein andrer sie gegeben,
oder meine hand:
sieh, die lieder durften leben,
aber ich entschwand!




annette v. droste-hülshoff

1 Kommentar 9.2.07 06:15, kommentieren

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wir statten die physische erscheinung des menschen, den wir sehen, mit all den vorstellungen aus, die wir von ihm haben, und in dem gesamtbild, das wir uns machen, spielen diese vorstellungen sicher die hauptrolle.
der mensch ist das wesen, das die anderen nur in sich selber kennt, das nicht aus sich herauskann und lügt, wenn er das gegenteil behauptet.


marcel proust

10.2.07 07:07, kommentieren